Beckenschmerzen in der Schwangerschaft: Ursachen, Symptome und Hilfe

Jan. 30, 2026 | Schwangerschaft

Die Schwangerschaft ist eine Zeit voller Veränderungen – nicht nur emotional, sondern auch körperlich. Während dein Baby im Bauch heranwächst, passt sich dein Körper kontinuierlich an diese neue Situation an. Eine häufige Begleiterscheinung dieser Anpassungsprozesse sind Beckenschmerzen, die viele werdende Mütter in unterschiedlicher Intensität erleben. Besonders die sogenannte Symphysenlockerung kann dabei zu erheblichen Beschwerden führen.

In diesem Artikel erfährst du alles Wichtige über Beckenschmerzen während der Schwangerschaft, ihre Ursachen und was du dagegen tun kannst.

Was passiert mit deinem Becken während der Schwangerschaft?

Dein Becken besteht aus mehreren Knochen, die durch elastische Bänder und Knorpelverbindungen zusammengehalten werden. Eine dieser Verbindungen ist die Symphyse – auch Schambeinfuge genannt –, die vorne zwischen den beiden Beckenhälften liegt.

Während der Schwangerschaft produziert dein Körper vermehrt Hormone, die dein Gewebe und deine Gelenke weicher und flexibler machen. Besonders das Hormon Relaxin spielt dabei eine entscheidende Rolle. Es sorgt dafür, dass sich die Bänder und Knorpel im Beckenbereich lockern, um den Geburtskanal für dein Baby zu erweitern.

Diese Lockerung ist ein völlig natürlicher und notwendiger Prozess, damit dein Kind bei der Geburt durch das Becken gleiten kann. Allerdings kann diese Auflockerung auch zu Instabilität führen und Schmerzen verursachen – vor allem, wenn die Symphyse zu stark gelockert wird.

Symptome einer Symphysenlockerung erkennen

Eine Symphysenlockerung kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen. Nicht jede Schwangere erlebt alle Symptome, und die Intensität kann stark variieren:

  • Schmerzen im vorderen Beckenbereich, besonders im Bereich des Schambeins
  • Ausstrahlende Schmerzen in die Leisten, Oberschenkel oder den unteren Rücken
  • Verstärkung der Schmerzen bei Bewegungen wie Treppensteigen, Gehen oder Umdrehen im Bett
  • Ein hörbares oder spürbares Knacken im Beckenbereich
  • Schwierigkeiten beim Anheben eines Beines (z.B. beim Anziehen von Hosen)
  • Schmerzen beim Liegen auf der Seite

Ein einfacher Selbsttest: Lege dich flach auf den Rücken und hebe ein gestrecktes Bein an. Wenn du dabei Schmerzen im Schambereich spürst, könnte dies auf eine Symphysenlockerung hindeuten. Die endgültige Diagnose sollte jedoch immer von einer Fachperson gestellt werden.

Wann treten Beckenschmerzen in der Schwangerschaft auf?

Beckenschmerzen können zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft auftreten. Häufig beginnen sie jedoch im zweiten oder dritten Trimester, wenn das Baby größer wird und mehr Druck auf das Becken ausübt. Bei manchen Frauen können die Beschwerden aber auch schon früher einsetzen oder sogar erst nach der Geburt auftreten.

Statistisch gesehen erleben etwa 30% aller Schwangeren Beckenschmerzen in einem Ausmaß, das ihren Alltag beeinträchtigt. Etwa eine von 600 Schwangeren entwickelt eine ausgeprägte Symphysenlockerung mit stärkeren Beschwerden.

Risikofaktoren für Beckenschmerzen in der Schwangerschaft

Bestimmte Faktoren können das Risiko für Beckenschmerzen und eine Symphysenlockerung erhöhen:

  • Frühere Rücken- oder Beckenprobleme
  • Vorherige Schwangerschaften
  • Körperlich anstrengende Arbeit
  • Übergewicht
  • Vorherige Verletzungen im Hüft- oder Beckenbereich
  • Arthritische Gelenkentzündungen

Es ist wichtig zu wissen, dass jede Frau unterschiedlich auf die hormonellen Veränderungen reagiert. Auch sportliche und gesunde Frauen können von einer Symphysenlockerung betroffen sein.

Behandlungsmöglichkeiten bei Beckenschmerzen

Wenn du unter Beckenschmerzen in der Schwangerschaft leidest, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern:

Physiotherapie

Eine gezielte Physiotherapie kann sehr wirksam sein. Ein Physiotherapeut kann dir individuelle Übungen zeigen, die deine Beckenbodenmuskulatur und die umliegenden Muskeln stärken, ohne die Symphyse zu belasten.

Beckengurt

Ein spezieller Beckengurt kann die Schmerzen deutlich reduzieren. Er wird unterhalb des Bauches getragen und stabilisiert das Becken durch leichte Kompression. Diese Stützgürtel sind in Apotheken oder Sanitätshäusern erhältlich – frage am besten deinen Arzt nach einem Rezept.

Wärme- und Kälteanwendungen

Wärmeanwendungen können die Muskulatur entspannen und Schmerzen lindern. Bei akuten Entzündungen kann auch Kälte hilfreich sein. Sprich mit deinem Arzt oder deiner Hebamme, welche Anwendung für dich am besten geeignet ist.

Angepasste Bewegung

Auf Bewegung solltest du trotz Schmerzen nicht verzichten – im Gegenteil! Sanfte Sportarten wie Schwimmen (besonders Rückenschwimmen), Wassergymnastik oder Nordic Walking können die Beschwerden lindern und gleichzeitig deine Muskulatur stärken.

Schmerzmittel

Bei starken Schmerzen kann dein Arzt dir schwangerschaftsverträgliche Schmerzmittel verschreiben. Nimm jedoch niemals Medikamente ohne ärztliche Rücksprache ein.

Was du im Alltag beachten solltest

Mit einigen Anpassungen im Alltag kannst du deine Beckenschmerzen deutlich reduzieren:

  • Vermeide das breite Spreizen der Beine (z.B. beim Einsteigen ins Auto)
  • Steige Treppen immer Stufe für Stufe und nicht im Wechselschritt
  • Vermeide tiefe Sessel und Sofas
  • Trage flache, gut dämpfende Schuhe
  • Stehe aus dem Bett auf, indem du dich zuerst auf die Seite drehst, dann mit den Armen abstützt und beide Beine gleichzeitig über die Bettkante schwingst
  • Vermeide schweres Heben und Tragen
  • Nutze beim Sitzen ein Kissen zwischen den Knien, um das Becken zu stabilisieren
  • Schlafe mit einem Kissen zwischen den Knien

Beckenschmerzen nach der Geburt

Leider verschwinden die Beckenschmerzen nicht immer sofort nach der Entbindung. Bei manchen Frauen können die Beschwerden noch Wochen oder sogar Monate anhalten. Das liegt daran, dass die Hormone, die für die Lockerung verantwortlich sind, besonders beim Stillen noch eine Weile im Körper aktiv bleiben.

Für die Zeit nach der Geburt ist Folgendes wichtig:

  • Beginne frühzeitig mit Rückbildungsgymnastik und Beckenbodentraining
  • Setze die Physiotherapie fort
  • Trage bei Bedarf weiterhin einen Beckengurt
  • Achte auf eine gute Körperhaltung beim Stillen und Tragen des Babys
  • Vermeide schweres Heben und überlasse körperlich anstrengende Aufgaben wenn möglich deinem Partner

Kann man Beckenschmerzen in der Schwangerschaft vorbeugen?

Eine vollständige Vorbeugung ist nicht immer möglich, da die hormonellen Veränderungen natürlich und notwendig sind. Du kannst jedoch das Risiko für starke Beschwerden reduzieren:

  • Stärke bereits vor der Schwangerschaft deine Beckenbodenmuskulatur
  • Achte auf ein gesundes Körpergewicht
  • Betreibe regelmäßig sanften Sport, der die Rumpf- und Beckenmuskulatur stärkt
  • Achte auf eine gute Körperhaltung
  • Vermeide schweres Heben und einseitige Belastungen

Geburt bei Symphysenlockerung: Was ist zu beachten?

Eine Symphysenlockerung ist kein Grund zur Sorge hinsichtlich der Geburt. Im Gegenteil: Die Lockerung des Beckens ist ja gerade dafür da, den Geburtskanal zu erweitern. In den meisten Fällen ist eine natürliche Geburt problemlos möglich.

Bei einer ausgeprägten Symphysenlockerung können bestimmte Geburtspositionen besonders angenehm sein:

  • Wassergeburt
  • Geburt im Vierfüßlerstand
  • Seitenlage
  • Hocken mit Unterstützung

Sprich mit deiner Hebamme oder deinem Arzt über deine Beschwerden, damit sie bei der Geburtsplanung berücksichtigt werden können.

Fazit

Beckenschmerzen und Symphysenlockerung sind häufige Begleiterscheinungen der Schwangerschaft, die durch die natürliche Vorbereitung des Körpers auf die Geburt entstehen. Auch wenn die Beschwerden belastend sein können, gibt es viele Möglichkeiten, sie zu lindern. Wichtig ist, dass du die Schmerzen ernst nimmst und professionelle Hilfe in Anspruch nimmst.

Mit der richtigen Unterstützung, gezielten Übungen und einigen Anpassungen im Alltag kannst du die Schwangerschaft trotz Beckenschmerzen gut meistern. Und denk daran: Die Beschwerden sind vorübergehend und werden nach der Geburt – wenn auch manchmal mit etwas Geduld – wieder verschwinden.

Für Rückfragen stehen wir dir gerne zur Verfügung.

FAQs

Kann eine Symphysenlockerung gefährlich werden?

In den allermeisten Fällen ist eine Symphysenlockerung zwar schmerzhaft, aber nicht gefährlich. Eine extreme Form, die Symphysensprengung, kommt heutzutage nur noch sehr selten vor.

Muss ich bei einer Symphysenlockerung einen Kaiserschnitt bekommen?

Nein, eine Symphysenlockerung ist kein Grund für einen Kaiserschnitt. Im Gegenteil kann eine vaginale Geburt sogar vorteilhafter sein, da bei einem Kaiserschnitt Teile der tiefen Beckenbodenschicht verletzt werden können.

Wie lange dauern die Beschwerden nach der Geburt an?

Bei den meisten Frauen klingen die Beschwerden innerhalb von sechs Wochen nach der Geburt ab. In einigen Fällen können sie jedoch bis zu sechs Monate anhalten, besonders beim Stillen.

Kann ich mit Symphysenschmerzen Sport treiben?

Ja, aber wähle sanfte Sportarten wie Schwimmen (besonders Rückenschwimmen), Wassergymnastik oder leichtes Nordic Walking. Vermeide Sportarten mit ruckartigen Bewegungen oder Sprüngen.

Kommt die Symphysenlockerung bei einer weiteren Schwangerschaft wieder?

Nicht zwangsläufig. Mit gezieltem Training und guter Vorbereitung kann das Risiko für eine erneute Symphysenlockerung reduziert werden.

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