Funktionelle Bewegungsstörung: Was dein Nervensystem dir sagen möchte

Feb. 5, 2026 | Neurologische Physiotherapie

Funktionelle Bewegungsstörungen zählen zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen, mit denen wir in der klinischen Praxis konfrontiert werden. Tatsächlich nehmen Bewegungsstörungen nach zerebrovaskulären Erkrankungen und epileptischen Störungen den dritten Platz auf der Häufigkeitsskala neurologischer Leiden ein. Wenn du unter Symptomen wie Zittern (Tremor), Muskelverkrampfungen (Dystonie) oder komplexen Gangstörungen leidest, bist du damit also keineswegs allein.

Besonders auffällig ist dabei, dass Frauen meist mehr als doppelt so oft von funktionellen neurologischen Bewegungsstörungen betroffen sind wie Männer. In diesem Artikel erklären wir dir, was hinter diesen Störungen steckt und wie auch eine choreatiforme Bewegungsstörung entsteht. Du erfährst, wie dein Nervensystem Signale verarbeitet und warum es manchmal zu Fehlfunktionen kommt, obwohl keine strukturelle Schädigung vorliegt. Außerdem zeigen wir auf, welche Diagnose- und Therapiemöglichkeiten es gibt und wie du deinen Alltag trotz dieser Herausforderung meistern kannst.

Was ist eine funktionelle Bewegungsstörung?

Bei einer funktionellen Bewegungsstörung handelt es sich um eine abnormale Bewegung oder Positionierung eines Körperteils, die auf eine Fehlfunktion des Nervensystems zurückzuführen ist. Anders als bei anderen neurologischen Erkrankungen liegt hier keine strukturelle Schädigung vor – vielmehr gibt es ein Problem mit der Funktionsweise deines Nervensystems.

Keine strukturelle Schädigung, aber reale Symptome

Funktionelle Bewegungsstörungen unterscheiden sich grundlegend von Erkrankungen wie Parkinson oder einem Schlaganfall. Wenn wir das Gehirn mit einem Computer vergleichen, besteht bei funktionellen Störungen ein Problem der Programmierung oder Software – die Hardware (dein Gehirn) ist jedoch intakt. Obwohl keine erkennbare Schädigung des Nervensystems vorliegt, sind die Symptome absolut real und oft sehr belastend.

Die Beschwerden beginnen meistens plötzlich, manchmal nach einer Verletzung, einem einschneidenden Erlebnis oder infolge einer anderen körperlichen oder psychischen Belastung. Ein wechselhafter Verlauf mit guten und schlechten Tagen ist dabei typisch. Darüber hinaus sind die Symptome stark fluktuierend und können durch Aufmerksamkeit, Ablenkung oder Trigger wie Müdigkeit und Stress beeinflusst werden.

Abgrenzung zu anderen neurologischen Erkrankungen

Im Unterschied zu klassischen neurologischen Erkrankungen wie der Parkinson-Krankheit sind funktionelle Bewegungsstörungen nicht durch eine bleibende Schädigung oder Neurodegeneration verursacht. Folglich können sich diese Störungen mit der Zeit zurückbilden und sogar vollständig verschwinden.

Die Diagnose wird nicht durch Ausschlussverfahren gestellt, sondern anhand positiver klinischer Zeichen. Besonders charakteristisch sind:

  • Inkongruenz: Die Symptome unterscheiden sich von denen klassischer neurologischer Bewegungsstörungen und folgen nicht den neuroanatomischen Gesetzmäßigkeiten.
  • Inkonsistenz: Die Symptome variieren in ihrer Schwere und Art während der Untersuchung und im Krankheitsverlauf.
  • Verstärkung bei Aufmerksamkeit: Sobald den Symptomen mehr Aufmerksamkeit zukommt, etwa während einer Untersuchung, werden sie besonders stark ausgeprägt.

Tatsächlich können funktionelle Bewegungsstörungen durch Ablenkung oder Aufmerksamkeitsverlagerung zeitweise gelindert werden – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen neurologischen Erkrankungen.

Beispiele: Zittern, Gangstörung, Lähmung

Funktionelle Bewegungsstörungen können sich in vielfältigen Formen zeigen:

Funktioneller Tremor: Dies ist die häufigste Form der funktionellen Bewegungsstörung. Dabei zittert ein Arm oder Bein unkontrollierbar. Im Vergleich zu anderen Tremorformen ist der funktionelle Tremor oft sehr variabel und kann bei Ablenkung sogar verschwinden.

Funktionelle Gangstörung: Hierbei treten verschiedene Arten von Gangproblemen auf. Häufig ist ein „schleifender“ Gang, der bei Patienten mit funktioneller Schwäche eines Beins zu beobachten ist. Andere Ausprägungen sind ein allgemein unsicherer Gang, der oft mit früheren Stürzen und erhöhter Angst vor zukünftigen Stürzen einhergeht.

Funktionelle Lähmung: Hierbei empfindest du eine oft beeinträchtigende und beängstigende Schwäche der Gliedmaßen. Die Symptome ähneln oft denen eines Schlaganfalls oder der Multiplen Sklerose – jedoch ohne bleibende Schäden im Nervensystem.

Funktionelle Dystonie: Dabei nehmen deine Hände oder Füße eine abnorme Haltung ein, die nur schwer zu überwinden ist. Dies kann ein vorübergehendes, intermittierendes Problem (ein Spasmus) oder ein chronisches Problem sein.

Funktionelle Zuckungen: Hierbei erlebst du ruckartige, zuckende Bewegungen, die besonders als Reaktion auf laute Geräusche, bestimmte Lichtarten oder Schmerzausbrüche auftreten können.

Zusätzlich können auch choreatiforme Bewegungsstörungen auftreten – schnelle, unregelmäßige Bewegungen, die unwillkürlich verschiedene Körperregionen betreffen.

Typische Symptome und Erscheinungsformen

Die Symptombilder funktioneller Bewegungsstörungen sind äußerst vielfältig und können auf den ersten Blick klassischen neurologischen Erkrankungen stark ähneln. Dennoch gibt es charakteristische Muster, die helfen, diese Störungen zu erkennen.

Plötzlicher Beginn und wechselnde Ausprägung

Typisch für funktionelle Bewegungsstörungen ist ihr plötzliches Auftreten – oft erinnern sich Betroffene auch Jahre später noch genau an den Tag und das Ereignis, bei dem die Symptome zum ersten Mal auftraten. In vielen Fällen (37-80%) entwickeln sich die Beschwerden nach einem auslösenden Ereignis wie einer Verletzung, Operation oder einem belastenden Erlebnis. Dieses Triggerereignis steht zwar nicht in direktem kausalem Zusammenhang mit der Störung, hat aber für dich als Betroffenen eine wichtige subjektive Bedeutung.

Besonders charakteristisch ist zudem der wechselhafte Verlauf mit guten und schlechten Tagen. Die Symptome schwanken stark in ihrer Intensität und können durch Aufmerksamkeit verstärkt oder durch Ablenkung verringert werden. Außerdem nimmt der Schweregrad bei Müdigkeit, Stress oder Schmerzen häufig zu.

Funktioneller Tremor

Der funktionelle Tremor ist die häufigste Form der funktionellen Bewegungsstörungen. Hierbei handelt es sich um ein unkontrollierbares Zittern, das typischerweise in seiner Frequenz, Amplitude und Richtung irregulär ist. Anders als bei anderen Tremorformen kann er verschwinden, wenn du abgelenkt bist, aber dennoch sehr beeinträchtigend sein.

Ein charakteristisches Merkmal ist das sogenannte „Entrainment“ – wenn du mit der gesunden Extremität einen bestimmten Rhythmus imitierst, nimmt das Zittern in der betroffenen Extremität diesen Rhythmus an oder verändert sich. Zudem verstärkt sich das Zittern unter Gewichtsbelastung, was bei anderen Tremorformen nicht der Fall ist.

Funktionelle Gangstörung

Funktionelle Gangstörungen zählen ebenfalls zu den häufigsten Erscheinungsformen und treten in verschiedenen Varianten auf. Besonders typisch ist ein langsamer, vorsichtiger Gang mit starker visueller Kontrolle. Folgende Muster sind besonders häufig:

  • Schleifender Gang: Bei funktioneller Beinlähmung schleift der Fuß über den Boden, oft mit nach innen oder außen gedrehtem Knöchel
  • Gehen wie auf Eis: Ein vorsichtiger Gang mit kleinen Schritten und breiter Basis, oft verbunden mit Sturzangst
  • Schwankender Gang: Starkes Schwanken von einer Seite zur anderen, besonders im Oberkörper

Charakteristisch ist, dass du im Sitzen auf einem Bürostuhl deine Beine oft problemlos zur Fortbewegung einsetzen kannst, während beim eigentlichen Gehen erhebliche Probleme auftreten.

Funktionelle Lähmung

Bei der funktionellen Lähmung empfindest du eine beeinträchtigende Schwäche der Gliedmaßen, die oft der eines Schlaganfalls ähnelt. Typisch ist jedoch, dass die Schwäche auf der Untersuchungsliege stärker erscheint als beim Stehen oder Gehen.

Ein wichtiges diagnostisches Merkmal ist das „Hoover-Zeichen“: Wenn du das betroffene Bein nicht aktiv gegen Widerstand nach unten drücken kannst, kehrt die Kraft jedoch zurück, wenn du aufgefordert wirst, das gesunde Bein gegen Widerstand nach oben zu drücken. Dieses Phänomen zeigt, dass die Nervenbahnen intakt sind.

Funktionelle Dystonie

Die funktionelle Dystonie zeigt sich durch fixierte Fehlhaltungen, hauptsächlich der Hände und Füße. Anders als bei anderen Formen von Dystonien sind funktionelle Dystonien oft mit einer erheblich gesteigerten Muskelanspannung verbunden. Über 90% aller funktionellen Fehlhaltungen betreffen die Extremitäten, während Fehlhaltungen des Halses oder Gesichts seltener vorkommen.

Bei passiver Bewegung der betroffenen Körperregion nimmt der Muskeltonus häufig zu und kann sehr schmerzhaft sein. Im Gegensatz zu anderen Dystonien fehlt zudem meist die „Geste antagoniste“ – eine Abnahme der Beschwerden durch Berührung bestimmter Stellen des eigenen Körpers.

Choreatiforme Bewegungsstörung

Choreatiforme Bewegungsstörungen äußern sich durch schnelle, unregelmäßige und unwillkürliche Bewegungen verschiedener Körperregionen. Im Rahmen funktioneller Störungen unterscheiden sie sich von organisch bedingten choreatischen Bewegungen (wie bei Chorea Huntington) durch ihre Beeinflussbarkeit und Inkonsistenz.

Während Chorea bei organischen Erkrankungen oft mit einer progredient verlaufenden Neurodegeneration einhergeht, sind funktionell-choreatiforme Bewegungen variabel in ihrer Ausprägung und können durch Ablenkung oder Aufmerksamkeitsverlagerung moduliert werden.

Wie das Nervensystem Signale falsch verarbeitet

Das Gehirn ist ein faszinierendes Organ, das normalerweise Bewegungen mit bemerkenswerter Präzision steuert. Bei einer funktionellen Bewegungsstörung läuft jedoch etwas grundlegend anders – nicht weil Hirnzellen geschädigt sind, sondern weil die Verarbeitungsprozesse fehlgeleitet werden.

Gestörte automatische Bewegungsprogramme

Bei funktionellen Bewegungsstörungen macht dein Körper Bewegungen nicht mehr richtig automatisch. Normalerweise laufen viele Bewegungen wie Gehen oder Greifen unbewusst ab. Allerdings besteht bei funktionellen Störungen ein Problem der „Programmierung“ – vergleichbar mit einer Softwarestörung bei intakter Hardware. Die automatischen Bewegungsprogramme werden durch verzerrte Aufmerksamkeit und emotionale Überlagerung gestört.

Tatsächlich sind bewusste willkürliche Bewegungen meist erschwert, während spontane und automatische Bewegungsabläufe besser funktionieren. Dies erklärt, warum bestimmte Bewegungen nicht ausgeführt werden können, während andere, bei denen die gleichen Muskelgruppen beteiligt sind, problemlos funktionieren. Ein typisches Beispiel: Das Gehen gelingt nicht, aber das Tanzen mit Fokus auf Musik ist ohne Einschränkungen möglich.

Aufmerksamkeitslenkung als Verstärker

Ein zentrales Merkmal funktioneller Bewegungsstörungen ist die enge Verbindung zur Aufmerksamkeit. Sobald du deine Aufmerksamkeit auf die betroffene Körperregion richtest, verstärken sich die Symptome erheblich. Umgekehrt können die Beschwerden durch Ablenkung deutlich nachlassen oder vorübergehend sogar verschwinden.

In der klinischen Untersuchung zeigt sich, dass die Symptome meist zu Beginn am stärksten ausgeprägt sind und an Intensität abnehmen, sobald du deine Aufmerksamkeit von der betroffenen Körperregion weglenkst. Dadurch entsteht ein regelrechter Teufelskreis: Je mehr du auf die Symptome achtest, desto stärker werden sie – was wiederum deine Aufmerksamkeit noch mehr auf sie lenkt.

Bemerkenswert ist, dass Betroffenen die bewusste Aufmerksamkeitsverlagerung auf Aufforderung meist sehr schwer fällt. Selbst einfache kognitive Aufgaben (wie Monatsnamen rückwärts aufsagen) oder motorische Aufgaben (einen einfachen Rhythmus nachmachen) können oft nicht fehlerfrei ausgeführt werden.

Fehlendes Handlungsbewusstsein (Sense of Agency)

Ein weiterer faszinierender Aspekt funktioneller Bewegungsstörungen ist das gestörte Handlungsbewusstsein, der sogenannte „Sense of Agency“. Dieses bezieht sich auf das Gefühl, Urheber deiner eigenen Handlungen zu sein.

Bei funktionellen Bewegungsstörungen entsteht eine Diskrepanz: Die Bewegungen enthalten zwar Charakteristika willkürlicher Motorik, können jedoch nicht willentlich gesteuert werden. Normalerweise entsteht ein Gefühl für Handlungsbewusstsein, wenn sich der vorhergesagte Effekt einer Bewegung und das tatsächliche Feedback decken. Bei funktionellen Störungen werden Bewegungen hingegen ungewollt ausgelöst und stimmen nicht mit dem erwarteten Bewegungsplan überein. Folglich entsteht das Gefühl, nicht Urheber der Bewegung zu sein.

Diese fehlende Kontrolle führt oft zu großer Hilflosigkeit und Verzweiflung bei Betroffenen. Sie erleben ihre Symptome als nicht willentlich beeinflussbar, was neurophysiologisch im gestörten Handlungsbewusstsein begründet liegt.

Ein wichtiges neurobiologisches Erklärungsmodell beruht auf hierarchischen prädiktiven Prozessen im Gehirn. Dabei werden auf Basis vergangener Erfahrungen ständig Hypothesen über Sinneseindrücke generiert und getestet. Bei funktionellen Störungen erfolgt die Symptomproduktion auf unbewussten Ebenen – nicht als direkte Erfassung körperlicher Aktivität, sondern als automatische Ausführung einer gelernten mentalen Repräsentation.

Diagnose: Was Ärzte erkennen können

Die Diagnosestellung bei funktionellen Bewegungsstörungen erfolgt nicht durch Ausschluss anderer Erkrankungen, sondern durch gezieltes Erkennen charakteristischer Muster. Erfahrene Neurologen können diese Störungen anhand positiver klinischer Zeichen identifizieren, die für funktionelle Störungen typisch sind.

Inkongruenz mit klassischen neurologischen Mustern

Die Inkongruenz beschreibt, dass sich deine motorischen Symptome von denen klassischer neurologischer Bewegungsstörungen unterscheiden. Sie folgen nicht den üblichen neuroanatomischen und neurophysiologischen Gesetzmäßigkeiten. Besonders deutlich wird dies bei der sogenannten Wechselinnervation, wenn es bei der Kraftentfaltung zu ruckartigen Unterbrechungen kommt. Bei nicht-funktionellen Paresen würde hingegen eine gleichmäßige Kraftreduzierung auftreten.

Tatsächlich kann es vorkommen, dass du durch bestimmte Druckpunkte oder Bewegungen deine Symptome beeinflussen kannst – was bei organischen Erkrankungen nicht der Fall wäre.

Inkonsistenz der Symptome im Verlauf

Funktionelle Bewegungsstörungen zeigen sich inkonsistent in Schwere und Art ihrer Ausprägung – sowohl in der klinischen Vorstellung als auch im gesamten Krankheitsverlauf. Während der Untersuchung sind die Symptome meistens besonders stark ausgeprägt und nehmen an Intensität ab, sobald du deine Aufmerksamkeit von der betroffenen Körperregion weglenkst.

Folglich berichten viele Betroffene, dass sie beim Ausüben von Hobbys deutlich weniger Symptome haben. Dies liegt daran, dass dabei die Aufmerksamkeit unbewusst von der eigentlichen Bewegungsausführung hin zu äußeren Stimuli gelenkt wird. Ein typisches Beispiel: Das Gehen gelingt nicht, jedoch das Tanzen zu Musik.

Klinische Tests und Beobachtungen

Zur Diagnosestellung werden spezifische klinische Tests eingesetzt:

  • Hoover-Zeichen: Prüft, ob sich die Kraft im betroffenen Bein verbessert, wenn das gesunde Bein gegengehalten werden muss
  • Abduktionszeichen: Untersucht die Kraft in beiden Beinen bei bestimmten Bewegungsabläufen
  • Entrainment-Test: Beobachtet, ob ein funktioneller Tremor seinen Rhythmus ändert, wenn mit der nicht betroffenen Hand ein anderer Rhythmus ausgeführt wird

Dabei fällt es Betroffenen mit funktionellen Störungen oft schwer, einfache kognitive oder motorische Aufgaben (wie Monatsnamen rückwärts aufsagen oder einen einfachen Rhythmus nachmachen) fehlerfrei auszuführen.

Warum Ausschlussdiagnostik nicht notwendig ist

Wichtig zu betonen ist, dass die funktionelle Bewegungsstörung keine Ausschlussdiagnose darstellt. Die Diagnose kann anhand der Symptominkongruenz und -inkonsistenz klinisch gestellt werden, ohne umfangreiche apparative Untersuchungen durchführen zu müssen. Neurologen können durch ihre Expertise funktionelle von nicht-funktionellen Störungen unterscheiden.

Allerdings ist es besonders bedeutsam, dass du als Patient während der Untersuchung die klinischen Diagnosekriterien selbst erleben kannst. Dies unterstützt nicht nur das Verständnis für deine Erkrankung, sondern stellt bereits den Beginn einer wirksamen Behandlung dar. Die „Abschlussdiagnose“ markiert somit nicht das Ende der Diagnostik, sondern vielmehr den Start einer zielgerichteten Therapie.

Therapie und Alltag: Was wirklich hilft

Die Behandlung funktioneller Bewegungsstörungen ist idealerweise interdisziplinär und kombiniert verschiedene therapeutische Ansätze. Für einen nachhaltigen Therapieerfolg ist deine aktive Mitarbeit entscheidend.

Physiotherapie mit Fokus auf Umlernen

Bei der Physiotherapie steht das „Umlernen“ im Mittelpunkt, damit sich deine unbewusste Bewegungskontrolle schrittweise normalisieren kann. Im Unterschied zur klassischen neurologischen Physiotherapie folgt dieser Ansatz einem kognitiv-verhaltenstherapeutischen Prinzip. Hierbei werden keine defizitären Strukturen trainiert, sondern zielorientierte Handlungsbewegungen gefördert. Besonders wirksam sind aktive Maßnahmen zum Trainieren normaler automatischer Bewegungsmuster unter Ablenkung – etwa durch Dual-Task-Übungen mit Ball, Gespräch oder Musik.

Psychotherapie zur Stressverarbeitung

Die kognitive Verhaltenstherapie hilft dir, beeinflussende Faktoren zu identifizieren und besser damit umzugehen. Tatsächlich lässt du dich eher auf eine Therapie ein, wenn dir ein plausibles Krankheitskonzept angeboten wird. Die Aufklärung über deine Erkrankung spielt daher eine zentrale Rolle im Behandlungsprozess.

Alltagsstrategien zur Aufmerksamkeitsverlagerung

Folgende Strategien können deine Symptome im Alltag lindern:

  • Aufmerksamkeit bewusst von den Symptomen weglenken
  • Klare Tagesstruktur mit festen Bewegungsterminen einhalten
  • Pacing-Education: Erkennen von Auslösern für Schmerzen und Müdigkeit

Rolle von Hobbys und Bewegung

Deine Hobbys sind mehr als Freizeitbeschäftigung – sie können die Symptome erheblich reduzieren. Während der Ausübung von Hobbys wird die Aufmerksamkeit unbewusst von der eigentlichen Bewegungsausführung weggelenkt. Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt zudem positiv auf Stimmung, Wohlbefinden und kognitive Funktionen. Ein ideales Trainingsprogramm sollte Ausdauer-, Kraft-, Gleichgewichts- und Dehnungsübungen kombinieren.

Vermeidung von Hilfsmittelabhängigkeit

Hilfsmittel sollten nur zeitlich begrenzt genutzt werden, da sie der Normalisierung der Körperfunktionen entgegenwirken können. Ergotherapeuten unterstützen dich dabei, tägliche Aufgaben auf normale Art zu bewältigen und weniger auf Hilfsmittel angewiesen zu sein. Operative Verfahren und längere Immobilisationsphasen sind hingegen kritisch zu betrachten und sollten vermieden werden.

Je früher die Diagnose gestellt und die Therapie begonnen wird, desto besser ist meist der Heilungsverlauf. Ohne adäquate Therapie kann es zur Chronifizierung mit massiven Alltagseinschränkungen kommen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass funktionelle Bewegungsstörungen zwar komplex erscheinen mögen, jedoch keineswegs selten sind. Tatsächlich gehören sie zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Besonders wichtig zu verstehen ist, dass deine Symptome real und nicht eingebildet sind – obwohl keine strukturelle Schädigung deines Nervensystems vorliegt.

Wie du nun weißt, können sich funktionelle Bewegungsstörungen auf verschiedene Weise manifestieren – sei es als Tremor, Gangstörung, Lähmung oder choreatiforme Bewegungen. Allerdings unterscheiden sie sich von klassischen neurologischen Erkrankungen durch ihre Beeinflussbarkeit durch Aufmerksamkeit und Ablenkung sowie durch ihren wechselhaften Verlauf.

Während früher oft lange Untersuchungsreihen durchgeführt wurden, erfolgt die Diagnose heutzutage anhand positiver klinischer Zeichen. Daher ist es bedeutsam, dass du mit einem erfahrenen Neurologen zusammenarbeitest, der diese Störungen erkennen kann. Darüber hinaus spielt dein eigenes Verständnis für den Zustand eine entscheidende Rolle im Heilungsprozess.

Die gute Nachricht ist, dass funktionelle Bewegungsstörungen behandelbar sind. Eine Kombination aus gezielter Physiotherapie, psychotherapeutischer Unterstützung und Alltagsstrategien kann dir helfen, deine Symptome zu bewältigen. Dabei ist es wesentlich, dass du aktiv mitarbeitest und regelmäßig jene Aktivitäten ausübst, die deinen Fokus von den Symptomen weglenken.

Je früher du mit der Behandlung beginnst, desto besser sind deine Aussichten auf Besserung. Deshalb solltest du nicht zögern, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du Anzeichen einer funktionellen Bewegungsstörung bei dir bemerkst. Obwohl der Weg nicht immer einfach ist, kannst du mit der richtigen Unterstützung und Geduld lernen, mit dieser Herausforderung umzugehen und eine bessere Lebensqualität zurückzugewinnen.

Für Rückfragen stehen wir dir gerne zur Verfügung.

FAQs

Was sind typische Symptome einer funktionellen Bewegungsstörung?

Typische Symptome sind plötzlich auftretende und stark schwankende Beschwerden wie Zittern, Gangstörungen, Lähmungen oder abnorme Bewegungen. Die Symptome verstärken sich oft bei Aufmerksamkeit und können durch Ablenkung gelindert werden.

Wie wird eine funktionelle Bewegungsstörung diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt durch einen erfahrenen Neurologen anhand positiver klinischer Zeichen wie Inkongruenz und Symptominkonsistenz. Spezielle Tests wie das Hoover-Zeichen oder der Entrainment-Test können dabei helfen, die Störung zu identifizieren.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für funktionelle Bewegungsstörungen?

Die Behandlung umfasst in der Regel eine Kombination aus Physiotherapie mit Fokus auf Umlernen, Psychotherapie zur Stressverarbeitung und Alltagsstrategien zur Aufmerksamkeitsverlagerung. Auch regelmäßige körperliche Aktivität und die Ausübung von Hobbys können hilfreich sein.

Können funktionelle Bewegungsstörungen geheilt werden?

Funktionelle Bewegungsstörungen sind grundsätzlich behandelbar. Je früher die Diagnose gestellt und die Therapie begonnen wird, desto besser sind die Heilungschancen. Mit der richtigen Behandlung und aktiver Mitarbeit des Patienten können die Symptome oft deutlich gebessert oder sogar vollständig überwunden werden.

Wie unterscheiden sich funktionelle Bewegungsstörungen von anderen neurologischen Erkrankungen?

Im Gegensatz zu klassischen neurologischen Erkrankungen liegt bei funktionellen Bewegungsstörungen keine strukturelle Schädigung des Nervensystems vor. Die Symptome sind stark durch Aufmerksamkeit beeinflussbar, zeigen einen wechselhaften Verlauf und folgen nicht den üblichen neuroanatomischen Mustern.

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