Die Ursachen von Rückenschmerzen zu verstehen, ist wichtiger denn je, denn fast jeder Mensch leidet im Laufe seines Lebens mindestens einmal an Rückenschmerzen. Tatsächlich leben in Deutschland rund sechs Millionen Menschen mit zu Behinderung führenden Rückenbeschwerden. Gleichzeitig können Ärzte bei etwa 85 Prozent ihrer Patienten keine eindeutige Ursache finden. Diese Zahlen zeigen, wie komplex das Thema ist.
In diesem Ratgeber zeigen wir dir die typischen Ursachen von Rückenschmerzen und helfen dir, deine Beschwerden besser einzuordnen. Du erfährst, wann ärztlicher Rat notwendig ist und welche Risikofaktoren eine Rolle spielen.
Was sind Rückenschmerzen und wie werden sie eingeteilt?
Rückenschmerzen beschreiben Schmerzen, die im Bereich des Rückens beziehungsweise der Wirbelsäule auftreten. Diese Schmerzen können von verschiedenen Strukturen ausgehen: Knochen, Muskeln, Nerven, Bandscheiben oder Gelenke. Die Lebenszeitprävalenz in Deutschland liegt bei etwa 70 bis 80 Prozent. Das bedeutet, fast jeder wird im Laufe seines Lebens mit Rückenbeschwerden konfrontiert. Um die typischen Ursachen von Rückenschmerzen besser zu verstehen, hilft dir eine Einteilung nach verschiedenen Kriterien.
Akute, subakute und chronische Rückenschmerzen
Die Medizin unterscheidet Rückenschmerzen zunächst nach ihrer Dauer. Akute Rückenschmerzen dauern weniger als sechs Wochen. Du kennst das vielleicht: Nach schwerem Heben oder einer falschen Bewegung meldet sich plötzlich der Rücken. Bestehen deine Beschwerden zwischen sechs und zwölf Wochen, sprechen Ärzte von subakuten Rückenschmerzen. Dieses Stadium bildet eine Übergangsphase. Chronische Rückenschmerzen liegen vor, wenn die Beschwerden länger als zwölf Wochen anhalten. Die Prävalenz chronischer Rückenschmerzen in der Allgemeinbevölkerung wird mit etwa 10 bis 21 Prozent angegeben. Dabei kann die Schmerzstärke während dieser Zeit variieren. Treten nach einer beschwerdefreien Phase von mindestens sechs Monaten erneut Schmerzen auf, bezeichnet man dies als rezidivierende Rückenschmerzen.
Spezifische und nicht-spezifische Rückenschmerzen
Die Unterscheidung nach Ursachen ist für deine Behandlung entscheidend. Bei spezifischen Rückenschmerzen lässt sich eine feststellbare körperliche Ursache erkennen. Dazu gehören beispielsweise Bandscheibenvorfälle, Wirbelgleiten, Spinalkanalstenose oder Wirbelbrüche nach Unfällen. In 80 Prozent der Fälle liegen allerdings nicht-spezifische Rückenschmerzen vor. Bei diesen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen. Die Schmerzen sind häufig muskulär oder myofaszial bedingt und bilden sich teilweise innerhalb von Tagen bis Wochen zurück. Selbst wenn ein MRT Veränderungen in der Wirbelsäule zeigt, bedeutet das nicht automatisch, dass diese für deine Schmerzen verantwortlich sind.
Wo treten Rückenschmerzen am häufigsten auf?
Am häufigsten entstehen Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Bei 70 bis 80 Prozent der Rückenschmerzen handelt es sich um Schmerzen im unteren Lendenwirbelbereich. Etwa zwei Drittel aller Menschen mit Rückenbeschwerden haben Schmerzen im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule. Der Grund liegt in der Belastung: Deine Lendenwirbelsäule trägt die größte Last des Körpergewichts. Am zweithäufigsten betreffen Beschwerden die Halswirbelsäule. Schmerzen der Brustwirbelsäule machen den kleinsten Anteil aus.
Typische Ursachen von Rückenschmerzen im Überblick
Die typischen Ursachen von Rückenschmerzen sind vielfältig und oft spielen mehrere Faktoren zusammen. In vier von fünf Fällen ist eine Über- oder Fehlbelastung der Muskulatur verantwortlich für Schmerzen im oberen oder unteren Rücken. Im Folgenden erhältst du einen detaillierten Überblick über die häufigsten Auslöser.
Muskelverspannungen und Fehlhaltungen
Verspannungen der Rückenmuskulatur führen zu Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Diese können sich langsam entwickeln oder plötzlich einschießen. Fehlbelastungen der Rückenmuskulatur, einseitige Belastungen und eine ungünstige Körperhaltung lösen Verspannungen aus. Menschen, die überwiegend sitzend tätig sind, zählen zu den Hauptbetroffenen. In Deutschland sitzen Menschen mittlerweile durchschnittlich 9,2 Stunden am Tag. Bei Verspannungen zieht sich ein Muskel unwillkürlich zusammen, die Kontraktion hält an und führt zu einer Verhärtung. Fehlhaltungen wie Hohlkreuz oder Rundrücken tragen ebenfalls zur Überlastung bei.
Bewegungsmangel und Übergewicht
Mehr als ein Viertel aller Erwachsenen weltweit bewegt sich zu wenig. In Deutschland liegt der Anteil sogar bei 42 Prozent. Bewegungsmangel führt zum Abbau von Muskelgewebe, wodurch Haltungsschwächen entstehen. Übergewicht erhöht die Belastung auf deinen Rücken zusätzlich. Das Extragewicht im Bauchbereich bringt den Körper aus dem Gleichgewicht und Teile der Rückenmuskulatur müssen sich stärker anspannen.
Verschleißerscheinungen und Alterungsprozesse
Mit zunehmendem Alter verlieren Bandscheiben ihre Elastizität und werden dünner. Bei drei Viertel aller Menschen im Alter von Ende zwanzig lassen sich bereits Risse in einzelnen Bandscheiben erkennen. Mit Mitte dreißig haben vier von zehn Menschen abgenutzte Wirbelsäulengelenke. Der Verschleiß betrifft sowohl Bandscheiben als auch Wirbelgelenke und kann zu Knochenanbauten führen.
Bandscheibenvorfall und Nervenreizungen
Ein Bandscheibenvorfall entsteht meist als Folge von Alterungs- und Verschleißprozessen. Die häufigste Ursache von Nervenwurzelstörungen ist ein Bandscheibenvorfall, der Druck auf die daneben liegende Nervenwurzel ausübt. Risikofaktoren sind sitzende Tätigkeiten, mangelnde Bewegung, Fehlhaltung, Übergewicht und eine schwache Rumpfmuskulatur.
Wirbelgleiten und Wirbelkanalstenose
Beim Wirbelgleiten verschieben sich ein oder mehrere Wirbel, meist in Richtung Körpermitte. Dies kann zu einer Verengung des Wirbelkanals führen. Die Wirbelkanalstenose entsteht durch degenerative Veränderungen, Verdickungen der Bänder und Knochenanbauten. Etwa 20 bis 40 Prozent älterer Menschen zeigen in der Bildgebung einen engen Spinalkanal.
Psychische Belastungen und Stress
Rund 32 Prozent der Bevölkerung erkrankten im Jahr 2022 an Rückenschmerzen. Psychische Belastungen durch Stress im Familienleben, finanzielle Sorgen oder Depressionen spielen dabei eine bedeutende Rolle. Menschen mit einer Vorgeschichte psychischer Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen weisen ein höheres Risiko auf, langanhaltende Beschwerden in Rücken und Nacken zu entwickeln. Die Psyche reagiert auf Stress mit angespannter Muskulatur, die ständige Anspannung begünstigt dann die Rückenschmerzen.
Risikofaktoren für Rückenbeschwerden
Bestimmte Faktoren erhöhen dein Risiko für Rückenbeschwerden erheblich. Dabei spielen berufliche Belastungen, genetische Veranlagung und psychische Faktoren zusammen.
Berufliche und körperliche Belastungen
Ein erhöhtes Risiko für Rückenschmerzen haben insbesondere diejenigen, die einer überwiegend sitzenden Tätigkeit nachgehen: 64 Prozent von ihnen litten in den letzten 12 Monaten zumindest ab und zu unter akuten Rückenschmerzen. Drei Viertel der Erwerbstätigen gehen einer teilweise oder überwiegend sitzenden Tätigkeit nach. Den Großteil eines Arbeitstags, also 6 oder mehr Stunden, verbringen 70 Prozent von ihnen im Sitzen. Langes undynamisches Sitzen in Kombination mit dem Mangel an ausgleichender Bewegung bildet einen Risikofaktor, der immer relevanter wird. Ebenso gefährdet sind Menschen mit schwerer körperlicher Arbeit, die häufig heben, sich bücken oder einseitige Bewegungen ausführen müssen. Das Alter zwischen 35 bis 50 Jahren stellt einen zusätzlichen Risikofaktor dar.
Genetische Veranlagung und Lebensgewohnheiten
In circa einem Drittel der Fälle werden chronische Rückenleiden vererbt. Ein Endplattendefekt wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 55,3 Prozent von einem Elternteil auf den Nachwuchs genetisch vererbt. Genetische Einflüsse spielen bei der Bandscheibendegeneration eine wesentlich größere Rolle als mechanische Überbelastungen. Selbst sehr starke Belastungen haben einen eher untergeordneten Einfluss. Zu den Lebensgewohnheiten, die dein Risiko erhöhen, zählen Rauchen, falsche Ernährung und Übergewicht.
Der Zusammenhang zwischen Psyche und Rücken
Neben Bewegungsmangel schlagen sich psychosoziale Belastungen leicht auf den Rücken nieder. Eine hohe Unzufriedenheit am Arbeitsplatz versetzt den Körper in einen Stresszustand. Problematisch wird es, wenn Menschen dauerhaft unter Stress stehen. Die Spannung in den Muskeln nimmt unter Stress zu. Menschen, die unter Stress oder psychischem Druck stehen, haben zudem oft eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit. Ein weiterer psychischer Mechanismus ist die Angst vor Schmerzen, die zu Schonhaltung und Bewegungsvermeidung führt.
Wann du bei Rückenschmerzen ärztlichen Rat einholen solltest
In den meisten Fällen verschwinden Rückenbeschwerden innerhalb weniger Wochen von selbst. Bei 80 bis 90 Prozent handelt es sich um medizinisch unproblematische Beschwerden. Dennoch gibt es Situationen, in denen du ärztliche Hilfe benötigst.
Warnsignale, die sofort behandelt werden müssen
Bestimmte Warnsignale erfordern sofortige ärztliche Behandlung. Dazu gehören Lähmungserscheinungen oder Inkontinenz. Wenn du Taubheitsgefühle, in die Beine ausstrahlende Schmerzen oder Muskelschwäche bemerkst, solltest du innerhalb von sechs Wochen einen Arzt aufsuchen. Fieber oder Schüttelfrost in Kombination mit Rückenschmerzen können auf eine Infektion hindeuten. Schmerzen nach Unfällen, plötzliches Auftreten nach schwerem Heben, unwillkürlicher Harn- oder Stuhlverlust sowie Tumorleiden in der Vorgeschichte sind weitere Alarmzeichen.
Die ärztliche Untersuchung: Was erwartet dich?
Der Arzt erhebt zunächst deine Krankengeschichte durch gezielte Fragen. Dabei erfährst du Fragen zu Schmerzdauer, Schmerzqualität, Ausstrahlung und bisherigen Therapien. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung, bei der Beweglichkeit, Reflexe und Muskelkraft geprüft werden.
Diagnoseverfahren von Anamnese bis MRT
Bildgebende Verfahren sind erst notwendig, wenn die Befragung Risikofaktoren aufdeckt oder starke Schmerzen trotz Behandlung länger als sechs Wochen dauern. Das MRT zeigt Weichteile wie Bandscheiben gut, während Röntgenaufnahmen Knochenveränderungen darstellen.
Schlussfolgerung
Rückenschmerzen betreffen nahezu jeden irgendwann im Leben, dennoch lässt sich bei den meisten Fällen keine eindeutige Ursache feststellen. Jetzt kennst du die wichtigsten Auslöser, von Muskelverspannungen über Bewegungsmangel bis hin zu psychischen Belastungen. Nutze dieses Wissen, um deine Beschwerden besser einzuschätzen und gezielt gegenzusteuern. Achte insbesondere auf Warnsignale, die ärztliche Hilfe erfordern. Die meisten Rückenschmerzen verschwinden mit der richtigen Herangehensweise innerhalb weniger Wochen von selbst.
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FAQs
Was sind die häufigsten Ursachen von Rückenschmerzen?
In den meisten Fällen entstehen Rückenschmerzen durch Muskelverspannungen, Fehlhaltungen und Bewegungsmangel. Auch Übergewicht, Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule sowie psychische Belastungen und Stress können Rückenbeschwerden auslösen. Bei etwa 80 Prozent der Betroffenen lässt sich keine eindeutige körperliche Ursache feststellen.
Welche Warnsignale bei Rückenschmerzen erfordern sofortige ärztliche Behandlung?
Sofort zum Arzt solltest du bei Lähmungserscheinungen, Inkontinenz, Taubheitsgefühlen oder Muskelschwäche. Auch Fieber oder Schüttelfrost in Kombination mit Rückenschmerzen, Schmerzen nach Unfällen sowie unwillkürlicher Harn- oder Stuhlverlust sind Alarmzeichen, die umgehend abgeklärt werden müssen.
Warum können psychische Belastungen Rückenschmerzen verursachen?
Stress und psychische Belastungen führen zu einer dauerhaften Anspannung der Muskulatur, was Rückenschmerzen begünstigt. Menschen mit Depressionen oder Angststörungen haben ein höheres Risiko für chronische Rückenbeschwerden. Zudem erhöht psychischer Druck die Schmerzempfindlichkeit und kann zu Schonhaltungen führen.
Wie unterscheiden sich akute von chronischen Rückenschmerzen?
Akute Rückenschmerzen dauern weniger als sechs Wochen und verschwinden oft von selbst. Subakute Schmerzen bestehen zwischen sechs und zwölf Wochen. Von chronischen Rückenschmerzen spricht man, wenn die Beschwerden länger als zwölf Wochen anhalten. Etwa 10 bis 21 Prozent der Bevölkerung leiden unter chronischen Rückenschmerzen.
Welche beruflichen Tätigkeiten erhöhen das Risiko für Rückenschmerzen?
Besonders gefährdet sind Menschen mit überwiegend sitzender Tätigkeit – 64 Prozent von ihnen leiden regelmäßig unter Rückenschmerzen. Auch schwere körperliche Arbeit mit häufigem Heben, Bücken oder einseitigen Bewegungen stellt einen Risikofaktor dar. Langes undynamisches Sitzen ohne ausgleichende Bewegung ist besonders problematisch.